Fundstücke aus dem Stadtarchiv

Das Stadtarchiv hat einige Informationen & Links zu ehemaligen Luftschutzräumen in der Stadt für unseren digitalen Friedensweg 2020 zusammengestellt. Hier findet ihr historische Fundstücke, vor allem zum berühmten „Klosterkeller“, dem damaligen größten Luftschutzraum der Stadt.


Der Klosterkeller als Todesfalle

Der „Klosterkeller“ befand sich unter den Gebäuden Kilianstraße 9-11 und Klostergasse 6.
Im Jahr 1939 wurde hier ein öffentlicher Luftschutzraum eingerichtet. Dort starben am 4. Dezember 1944 mehr als 600 Menschen durch Kohlenmonoxydvergiftung. Wie viele Menschen im Klosterkeller genau verstarben und wie viele sich retten konnten, ist schwer zu rekonstruieren und bis heute unklar.

Am 21. April 2007 machte das Stadtarchiv Heilbronn den Keller ein letztes Mal zugänglich; knapp 1100 Besucher nutzten die Gelegenheit. Kurz danach wurde der Keller abgerissen.


Hier war der Klosterkeller.

Lageplan des öffentlichen Luftschutzraums „Klosterkeller“, Kilianstraße 9-11 und Klostergasse 6

Plakat „Die öffentlichen Luftschutzräume in Heilbronn“ mit dem „Klosterkeller“


Augenzeugenberichte und Darstellungen

Im größten Luftschutzraum in der Altstadt sterben 611 Menschen. Der Keller ist großzügig ausgestattet und hat Luftpumpen. Als sie eingeschaltet werden, holen sie statt frischer Luft den Tod ins Gewölbe. Nur einer überlebt.

Wilhelm Steinhilber (1892–1977)

Der gefährliche Nachteil des Klosterkellers besteht darin, daß es wegen der tiefen Lage weder Durchbrüche zu anderen Kellern noch einen Notausstieg gibt.

Kurt Fach (1925)

Otto Müller, der einzige Insasse, der überlebte.

Otto Müller (geb. 1882) ist der einzige von 612 Insassen des Klosterkellers, der überlebt.

[…] Zufällig ist er am 4. Dezember in Heilbronn und flüchtet in den Klosterkeller. In Pforzheim hat er einen Luftangriff erlebt. Deshalb weiß er: Wenn man den Keller nicht rechtzeitig verlässt, erstickt man.Mehrere wollen aus dem Klosterkeller flüchten. Aber zwei bis drei Wachmänner an der Tür weisen sie zurück: Niemand darf raus! Was sich danach abspielt, erzählt er später […].

Ich dachte, wenn ich im Keller bleibe, dann bin ich in jedem Fall tot. Nur wenn ich rauskomme, habe ich wenigstens noch eine Chance. Zunächst steigt er in einen Wasserbottich und tränkt seine Kleider mit Wasser. Dann boxte ich die Wachmänner zur Seite und bin raus. […]

Heinrich Landes (1934)


Zeitzeugenbericht – ein Brief von 1944

Hier steht ein Brief zum Download zur Verfügung. Dieser wurde am 25.12.1944 von Wilhelm Hörger geschrieben und handelt vom Tod seines Bruder Adolf Hörder und seiner Frau Frida im Klosterkeller.

Wilhelm Hörger schreibt aus Backnang seinen Verwandten, was er in Heilbronn vorgefunden hat, auf der Suche nach seiner Familie in Heilbronn. Von Backnang aus ließ sich der Angriff beobachten.

Den vollständigen Brief gibt es weiter unten zum Download.


Weitere Informationen zum „Klosterkeller“ & „Feuersturm“

Hier befinden sich 3 Online-Angebote vom Stadtarchiv. Die Ausstellung „Feuersturm“ präsentiert u.a. geschmolzene Steine, ein silberner Mädchenring, verbogene Gläser, ein Karteikartenkasten der originalen Opferkartei und vieles mehr. Bei der virutellen Ausstellung und beim A-Z sind Bilder und weitere Inhalte zur Geschichte des Klosterkellers zu entdecken.

Geschichte von A-Z des Stadtarchivs
Fotos vom Zustand April 2007


Ausschnitt aus der virtuellen Ausstellung
„Heilbronn historisch!“


Hier geht es zur Sonderaustellung „Feuersturm“
vom Stadtarchiv

Weitere Hintergrundinformationen zum 4.12.1944 sind unter diesem Link online verfügbar.

Wir danken dem Stadtarchiv für die wunderbare Zusammenarbeit!

Quellen: Stadtarchiv Heilbronn, D043-29;
Jacobi, Uwe: Heilbronn – 4. Dezember 1944. Protokoll einer Katastrophe.
Verlag Heilbronner Stimme 1994, S. 44
Bläsi, Hubert / Schrenk, Christhard: Heilbronn 1944/45. Leben und Sterben einer Stadt. 1995.
Titelbildquelle: Stadtarchiv Heilbronn